About


Vita


Gesine Englert kommt aus Hamburg.

Sie studierte Kommunikationsdesign an der HAW.

Nach dem Abschluss des Studiums intensiviert sie ihre Malerei

bei Prof. Max Uhlig und Jens Hasenberg.

 

Sie arbeitete als Designerin in London, München und Düsseldorf.

Zur Zeit ist sie freie Art Direktorin in Hamburg.

 

Einzelausstellungen: dogs (2012), faces I (2015) und faces II  (2018) 

Ausstellungen: Holthoff-Mokross Galerie, Taylor Wessing und Affordable Art Fair

 

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JOCHEN SIEMENS ÜBER 

GESINE ENGLERTS 'FACES' 

Jochen Siemens

Autor und Reporter für den "Stern" und andere Zeitschriften 

 

Man könnte es jetzt einfach mit Picasso sagen: „Ich male die Nasen absichtlich schief, damit die Menschen gezwungen sind, sie anzusehen.“ Aber das würde bei den Gesichtern die Gesine Englert malt, nicht reichen. Eine schiefe Nase wäre ihr viel zu minimalistisch, zu nahe an der Wirklichkeit, zu ängstlich für das, was Gesine Englert vorhat, wenn sie malt.

 

Sie macht etwas ganz anderes, sie wirft mit jedem Strich und jeder Farbe alles über den Haufen, was wir unter einem Gesicht verstehen, sie entheimatet unser Verständnis, einen Menschen, seinen Charakter, seine Stimmung, ja, seine ganze Wirkung auf uns, an den verlässlichen Parametern aus Augen, Nase, Mund und Ohren, zu erkennen. Gesine Englerts „Faces“ sind, um es neumodisch zu sagen, die Dekonstruktion jeder optischen Navigation eines Antlitzes. Bei ihr explodiert das Vertraute, manchmal in einem Vulkan aus Farben aber nichteinmal Formen. Oder zerfällt und zerfliesst zu einer Ruine, in der wir gerade noch einen Nasenansatz oder die Form eines unzerstörbaren, roten Mundes erkennen.

 

Aber genau hingesehen, und dazu zwingen einen die Bilder in magnetischer Weise, ist es gar nicht Zerstörung oder Zerfall, sondern in Wahrheit eine momentane Andersformatierung von Gesichtern. Denn was wäre denn, wenn sich alles, was der Kopf denkt, was er leidet und an was er sich berauscht; was wäre, wenn sich das alles nicht im Kopf sondern in den Formen des Gesichtes abspielen würde. Genau 26 Muskeln steuern die Mimik des Gesichtes – einer hebt die Augenbraue, ein anderer runzelt die Stirn und noch ein anderer verzieht den Mund. Es ist unser Gesichtstheater nach einem ewig gleichen Spielplan. Und jetzt kommt Gesine Englert und wirft ihn um. Und mehr noch, sie holt ein neues Ensemble auf die Bühne und wäre es ein Orchester, würde man jetzt vielleicht Zwölfton-Musik oder Richard Wagner rückwärts hören. 

 

Und genau hier fangen die Bilder an, den Blick des Betrachters reich zu machen. Abenteuerlich, neugierig, innehaltend und ausbrechend. “Du brauchst einen Spiegel, um dein Gesicht zu sehen. Aber du brauchst ein Kunstwerk, um deine Seele zu sehen“, sagt George Bernhard Shaw.   

 


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Thomas Holthoff über

Gesine Englerts Arbeiten

Thomas Holthoff

Galerie Holthoff-Mokross

 

Gesine Englert ist Malerin, ihre Bilder entstehen ohne Skizze oder Vorzeichnungen. Sie möchte durch diese bewusste Nichtstruktur ihrem Arbeitsprozess eine Unmittelbarkeit, eine Spontaneität geben. Sie möchte, wenn Sie startet, noch nicht wissen was entsteht. Somit würde die Spannung, die Überraschung des Bildes verloren gehen. Vielleicht nennen wir es Zufall, für die Künstlerin heißt dies Inspiration, ein Synonym für Glück.

 

Gesine Englert hat gelernt ihre eigene Sprache in der Kunst zu entwickeln, ihre eigene Bilderwelt zu entwerfen. Dabei achtet Sie nicht auf Trends oder zeitgemäßes, welches Sie am Kunstmarkt erkennt. Vielleicht etwas, was auch gut ihre Person beschreibt. Eine Frau mit starkem Willen, mit Fähigkeit zum Querdenken und in ihrer Kunst fast autistisch. Ihr Dozent wirkt dabei als Korrektiv, der zügelt, steuert, die zum Teil heftigen malerischen Aktionen und Ausbrüche leitet und damit vielleicht manchmal vor der vollständigen Zerstörung rettet. 

 

Wie kann man am besten ihre Bilder beschreiben. Man erkennt in ihren Bildern drei Ebenen, die sich zu einem Kunstwerk zusammen finden. Zum einen der oftmal schwammige, unklar definierte Hintergrund. Dann die Form, die klar sein kann oder fragmentiert zusammengesetzt. Sie ist erkennbar und soll dem Bild das Thema vorgeben. Die dritte, vielleicht spannendste Ebene, ist der Inhalt der Form. Hier definiert Gesine Englert die Wirklichkeit neu, hier nimmt Sie Veränderungen der Wirklichkeit vor. Diese scheinen chaotisch, sie scheinen zu lügen und sind vielleicht doch wahrer als die reine Wahrheit.

Diese Störung machen aus den Bildern von Gesine Englert etwas Besonderes, etwas Nachhaltiges.

 

Quelle: Thomas Holthoff http://www.holthoff-mokross.com/englert/


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